Diese Geschichte erschien im März 2010 im Buch "Gayheimnisse" im Dead Soft Verlag. Zu erwerben bei Amazon.
Der heimliche Geliebte
Adrian stand in seinem Wohnzimmer am Fenster und starrte hinaus in den dunklen Innenhof des u-förmig gebauten Hauses. Sehnsüchtig blickte er zu den gegenüberliegenden hell erleuchteten Räumen, die sich auf der gleichen Etage befanden. Sein Nachbar Roman saß am Klavier und spielte darauf „Yesterday“ von den Beatles. Die Klänge waren durch das offene Fenster bis herüber zu Adrian zu hören. Oft war auch fröhliches Gelächter und Discomusik aus dieser Richtung zu vernehmen. Dann wünschte sich Adrian, doch an den Partys, die Roman für seine Freunde gab, teilnehmen zu dürfen. Aber so stand ihm seine eigene Schüchternheit im Weg, Roman einfach einmal anzusprechen.
Immer wenn Adrian seinen Nachbarn im Treppenhaus begegnete, fuhren heiße Schauer über seinen Körper. Er verspürte ein Kribbeln, als würden tausend kleine Ameisen über seine Haut laufen und ihn mit ihren Füßchen kitzeln. Wenn er sich doch endlich einmal trauen würde. Aber so versuchte er ihm immer wieder aus dem Weg zu gehen. Nacht für Nacht erwachte er schweißgebadet mit steil aufgerichteten Penis, da ihn erotische Träume plagten. Träume, in denen Roman die Hauptrolle spielte. Dann musste er sich Erleichterung verschaffen, eine Erleichterung, die ihn aber nur für den Moment zufrieden stellte.
Oft dachte er sich, ob Roman es mitbekommen würde, dass er beobachtet wird. So wie es aussah wohl nicht. Oder er verbarg es so, dass er, Adrian es selber nicht bemerkte.
Adrian malte sich oft aus, wie es mit ihm zusammen sein könnte. War er eher dominant oder wie er selbst, eher der passive Partner? Er, Adrian war homosexuell, allerdings zurzeit ohne festen Freund. Roman hatte eine ungeheuer anziehende Wirkung auf ihn. Er nahm sich vor, herauszufinden, wie er zu ihm stand. Eine feste Freundin schien er anscheinend auch nicht zu haben. Jedenfalls hatte Adrian keine Frau in dessen Wohnung regelmäßig ein und ausgehen sehen. Aber immer noch war diese Hemmschwelle da, sich ihm gegenüber zu outen. Er musste nur den geeigneten Zeitpunkt dazu finden.
***
Eines Abends stand Adrian einmal wieder in seinem abgedunkelten Wohnzimmer und sah sehnsüchtig zu Romans Domizil hinüber. Wie so oft, waren die Fenster hell erleuchtet und es tönte laute Musik herüber. Adrian nahm an, Roman wäre alleine zu Hause. Aber was war das? Er rieb sich die Augen als hätte er Sandkörner darin. Ein fremder Mann in dessen Wohnung und das auch noch nackt! Er bewegte sich durch Romans Reich, als wäre er dort zu Hause. Eifersucht erfasste Adrian, die sich wie ein spitzer Dolch in seinen Körper und sein Herz bohrte. Was wollte dieser Mann dort und warum war er nackt?
Adrian verkrampfte seine Hände zu Fäusten und versuchte einen Schrei zu unterdrücken, als auch noch Roman nackt wie ihn Gott schuf, in seinem Blickfeld erschien. Die beiden Männer schienen sich recht gut zu kennen. Roman trat an seinen Freund heran und ging auf Tuchfühlung.
,Oh nein! Was macht er? Er ist doch mein!’, schrie es in Adrian. Alle Alarmglocken läuteten. Sein Herz schlug hart in der Brust. Am liebsten wäre er sofort in Romans Wohnung gestürmt und hätte den Rivalen eigenhändig nach draußen befördert. Wie konnte dieser Fremde es wagen, sich an seinen Roman heranzumachen?
Es brodelte in ihm wie in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch der Lava. Was sollte er nur machen? Sollte er sich einfach zu Roman begeben und ihm seine Gefühle gestehen? Oder es doch lieber lassen? Vielleicht würde er sich auch nur zum Affen machen und er würde ausgelacht werden. Nein, das ginge schon einmal gar nicht. Aber was tun, um ihn, seinen Geliebten von der Untat abzuhalten. Konnte er etwas dagegen unternehmen, wo Roman doch gar nicht wusste, wie es um ihn stand.
Wie gebannt schaute Adrian hinüber zu den Fenstern. Die beiden Personen schienen gar nicht zu bemerken, dass sie einen heimlichen Beobachter hatten. Woher sollten sie auch wissen oder gar ahnen, dass da ein Zuschauer war. Oder legten sie es sogar darauf an, gesehen zu werden? Nein, das glaubte Adrian nicht.