Im Sog der Leidenschaft
Es war vor etwa fünfzehn Jahren. Sean hatte gerade seine Lehre erfolgreich abgeschlossen und welch ein Wunder, einen guten Job gefunden, der auch noch hervorragend bezahlt wurde. Die Firma für die er arbeitete, war im Nachbarort seines damaligen Wohnsitzes ansässig. Jeden Tag setzte er sich bei gutem Wetter auf sein Rad und fuhr die drei Kilometer zur Arbeit. Nach einem Monat bekam er einen neuen Kollegen zugeteilt, mit dem er gemeinsam seine Aufträge erledigen musste. Antony, so hieß der neue Kollege, fiel ihm schon vom ersten Tag an auf. Je länger er ihn beobachtete, desto unruhiger wurde er. Sean fühlte Schmetterlinge im Bauch, sobald er nur in seine Nähe kam. Es erregte ihn, wie Antony sich bewegte, wie er ihn anschaute oder auch nur wenn er mit ihm sprach. Er könnte in diesen stahlblauen Augen versinken und nie wieder auftauchen. Sogar der Duft des Parfüms, das Antony fast täglich auftrug, erregte ihn. Nicht nur einmal ergriff Sean die Flucht um seine Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. In solchen Momenten regte sich sein kleiner Freund in der Hose so sehr, dass er Angst bekam, Antony würde es bemerken. Auf keinen Fall wollte er, dass dieser etwas mitbekam. Er wurde immer unsicherer. Was war nur los mit ihm? Er konnte es sich selbst nicht erklären. Seine Gefühle waren komplett durcheinander.
Antony bemerkte Seans Reaktionen, sagte aber nichts dazu. Er tat einfach so, als würde er nichts davon bemerken. Viel lieber zog er es vor, ihn erst einmal zu beobachten. Es begann ein regelrechtes Katz und Maus Spiel. Sean zog sich so bald wie möglich zurück, wenn sie die Arbeitsabläufe besprachen oder auch nur in den Pausen in der Kantine saßen und zusammen einen Kaffee tranken oder ihre Mahlzeiten einnahmen. Und Antony? Er amüsierte sich köstlich über Seans Verhalten. Aber keinesfalls wollte er ihn verletzen. So beschloss er, es langsam angehen zu lassen und Sean nach und nach dazu zu bringen, sich einzugestehen, was ihn bewegte. Antony hatte nämlich längst bemerkt, in welchem Zwiespalt sich sein Kollege befand.
Eines Morgens radelte Sean wie gewöhnlich früh zur Arbeit. Als er etwa auf halber Strecke war, hörte er, dass hinter ihm noch jemand fuhr. Er drehte sich um und sah ihn hinter sich. „Hallo Antony“, rief er fröhlich. „Ich habe noch gar nicht bemerkt, dass du denselben Weg hast wie ich.“ Er fuhr etwas langsamer, sodass dieser ihn einholen konnte. Den Rest des Weges fuhren sie plaudernd nebeneinander her. Dabei erfuhr Sean, dass Antony seit einigen Wochen in dem Ort wohnte, wie er selbst und auch erst Mitte zwanzig, also nur wenig älter als er war.
Anfangs war er mit dem Auto zur Arbeit gefahren, aber als er mitbekam, dass Sean bei gutem Wetter täglich mit dem Rad fuhr und ihn während der Arbeit ständig irgendwie beobachtete, sowie öfter schnell verschwand wenn er sich ertappt fühlte, entschloss er sich, ab sofort ebenfalls auf den Drahtesel umzusteigen. Auch aus dem Grund, um herauszubekommen, weshalb Sean sich so seltsam benahm.
Der Arbeitstag der beiden verlief wie immer. Im Laufe des Tages beschlossen sie, nach der Arbeit zusammen nach Hause zu fahren. Als sie am späten Nachmittag auf dem Heimweg waren, überraschte sie ein heftiger Regenschauer. Vollkommen durchnässt erreichten sie Seans Wohnung. Er bot Antony an, mit hoch zukommen und gemeinsam noch eine Tasse Kaffee zu trinken. Antony sagte zu, schon wegen der unangenehm nassen Kleidung, und so stiegen sie hinauf in Seans kleines Reich. Sean bot ihm an, ihm Kleidung von sich zu leihen, damit er nicht durchnässt bleiben musste. Sein Gast nahm das Angebot dankend an und machte sich mit frischer Hose und einem T-Shirt im Arm auf den Weg ins Bad, um sich dort kurz zu duschen und umzuziehen. Als er Seans begehrliche Blicke sah, bestätigte sich sein Verdacht, dass er dem männlichen Geschlecht offenbar nicht abgeneigt war. Er überlegte, wie er ihn dazu bringen könnte, seine Gefühle zu offenbaren.
Als er ins Bad ging, ließ Antony die Tür absichtlich so weit offen, sodass Sean vom Wohnzimmer aus ungehindert Einblick hatte. Gegenüber der Tür befand sich ein Spiegel, der vom Boden bis zur Decke reichte. So konnte Sean seinen Besucher im Bad beobachten, wie er sich auszog und unter die Dusche ging. Sean saß wie zur Salzsäule erstarrt auf dem Sofa und blickte in den Spiegel. Antony tat als würde er seinen Beobachter nicht bemerken. Sehen konnte er ihn von da aus nicht, aber er dachte sich seinen Teil. - Je weiter er sich auszog desto unruhiger wurde Sean. Er rutschte auf seinem Platz hin und her und als dann endlich der Slip fiel und somit auch das letzte kleine Geheimnis gelüftet war, schluckte er aufgeregt den Kloß hinunter, der sich in seinem Hals gebildet hatte. Das was er sah, ließ ihm das Blut in die Lenden schießen. Er hatte zwar schon nackte Männer gesehen, im Schwimmbad und am FKK-Strand, aber das was er jetzt sah, übertraf alles.
Antonys Körper war durchtrainiert, seine Oberarme hatten Bizeps, von denen mancher Bodybuilder nur träumen konnte und die er vor dem Badezimmerspiegel spielen ließ. Er hatte das Sixpack am Bauch, das Sean sich immer wünschte, aber trotz harten Trainings über Jahre hinweg nie bekommen hatte. Diesen Mann muss ich haben schoss es ihm durch den Kopf. Im selben Moment jedoch schlug er sich aber auch sofort an die Stirn und dachte sich: Oh mein Gott, ich bin scharf auf einen Mann. Das kann doch nicht wahr sein.
Inzwischen stieg Antony aus der Dusche und trocknete sich ab. Er zog sich seinen Slip, das T-Shirt und die Jeans an und ging ins Wohnzimmer zurück, wo Sean immer noch wie erstarrt und nicht ansprechbar auf dem Sofa saß. „Hee, in welchen Gefilden treibst du dich herum“, versuchte er ihn aufzuwecken. „Du siehst aus als hättest du eine Fata Morgana gesehen.“
Sean schreckte auf und sah Antony entgeistert an. Der stand mit den geliehenen Sachen bekleidet vor ihm im Wohnzimmer. Vergebens versuchte er seine Erregung zu unterdrücken. Aber dieses unmögliche Ding in seiner Hose machte was es wollte. Es ließ sich einfach nicht bändigen. Hart drückte es von innen gegen den Stoff und verlangte energisch nach draußen zu kommen. Sean errötete heftig als er bemerkte, wie Antony auf seinen Schritt starrte und die dicke Beule dort begutachtete. Als er noch weiter auf ihn zukam, sprang Sean auf und versuchte aus seiner Reichweite zu gelangen. Der aber hielt ihn am Arm fest und meinte grinsend zu ihm: „Na wo wollen wir denn hin?“
Sean fühlte sich ertappt und errötete noch mehr. Aber andererseits erregte ihn Antonys Anblick so sehr, dass er alles getan hätte, um ihn zu bekommen. Sogar wenn es nur einmal im Leben sein sollte. Er versuchte sich loszumachen. Doch Antony hielt ihn eisern fest. „Bleib ruhig“, hörte er ihn wie durch eine Nebelwand sagen. „Setz dich wieder hin, ich tue dir ja nichts. Vor mir musst du nicht ausreißen.“
Er sah ihn mit sehnsüchtig blickenden Augen an. Wenn du wüsstest was mit mir los ist, ging es ihm durch den Kopf. Am liebsten würde Sean laut schreien: Nun fass mich endlich an! Ich will was von dir! Merkst du das nicht!
„Nun komm, setz dich wieder hin, ich tue dir nichts“, sagte Antony wieder, ließ ihn los und setzte sich in einen der Sessel die um den Wohnzimmertisch herum gruppiert waren. „Nun komm schon“, sagte er noch einmal als Sean immer noch regungslos im Zimmer stand.
Dann erst erwachte er aus seiner Lethargie und ging zum Sofa um sich da zu setzen.
Beide Männer saßen sich gegenüber, blickten sich an und keiner sagte ein Wort. Antony regte sich als erster und sprach ihn an: „Sean, was ist mit dir los? Wovor hast du Angst? Dass ich dir was tue? Sehe ich aus wie ein Sexmonster?“
„Nein“, fing Sean an zu stottern. „Ich weiß auch nicht was mit mir los ist.“ Er sah zu Boden und wusste nicht, wie er sich erklären sollte.
„Du schaust mich schon seit ich in der Firma angefangen habe so komisch an. Was habe ich an mir?“
„Ich weiß es auch nicht. Ich bin mir nicht sicher was mit mir los ist. Es macht mir Angst, was ich fühle …“, nach einer kurzen Pause fuhr Sean fort: „Es macht mir Angst, was ich für dich empfinde.“
Antony überlegte einige Zeit was Sean wohl meinen könnte. Dann setzte er sich gerade auf und sah sein Gegenüber an: „Ich glaube, ich weiß was du meinst. Sean, ich muss dir auch etwas sagen. Ich hoffe, ich erschrecke dich nicht damit, aber vielleicht könnte das eine mit dem anderen zusammen hängen.“ Er holte einmal tief Luft und überlegte, wie er es Sean am besten und so schonend wie möglich beibringen könnte. Aber dann dachte er sich, es sei besser, von Anfang an die Wahrheit zu sagen als zu spät. „Pass auf“, begann Antony. „Ich weiß seit Langem, dass ich schwul bin. Mein Comingout habe ich schon längst hinter mir und ich stehe dazu was ich bin und wer ich bin. Und du, ich glaube, du stehst kurz davor. Nur bist du immer noch in einer Zwickmühle, aus der du heraus kommen musst.“
Sean sah Antony erschrocken an, als dieser geendet hatte. „Ich? Schwul? Das glaubst du doch wohl nicht wirklich?“
„Doch, das glaube ich“, antwortete Antony. „Und weißt du warum?“ Wieder machte er eine Pause um Sean die Möglichkeit zu geben, auf seine Bemerkungen zu antworten. Aber Sean sagte kein Wort, sondern sah ihn nur mit großen Augen und kopfschüttelnd an. „Doch, das kannst du nicht leugnen. Ich spüre es, dass du genau so schwul bist wie ich es bin. Schau dich doch mal an! Und schaue mich mal an! Was fällt dir auf? Hast du dich jemals für Mädchen interessiert? Wie war es bei dir in der Pubertät? Überlege bitte mal!“
„Meine Pubertät war auch nicht anders als die der meisten Teenager“, brauste Sean etwas auf. „Und außerdem, was geht dich das eigentlich an?“
„So, das glaube ich dir nicht“, meinte Antony schmunzelnd darauf. „Und was ist mit Mädchen? Hattest du schon welche. Und ich meine damit nicht nur Knutschen und so. Richtig, im Bett, Sex und so weiter.“ Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Es geht mich sehr wohl etwas an als dein Freund. Das weißt du genau so gut wie ich.“
„Ich habe noch nie mit einem Mädchen“, gab Sean errötend zu. „Bisher habe ich mich auch noch nie für Frauen interessiert, noch nicht einmal mit ihnen Knutschen.“
„Hast du einmal überlegt, warum das so ist?“, fragte Antony weiter.
„Hab ich noch nicht. Ich hatte auch nichts mit Männern, nie!“, sagte Sean trotzig und stand auf um das Wohnzimmer fluchtartig zu verlassen.
Antony sprang auf und ging ihm hinterher. „Sean, bitte“, versuchte er ihn zu beruhigen. „Ich will dich nicht drängen, ich möchte nur, dass du dir mal Gedanken machst, warum du so bist wie du bist. Schwul sein ist doch nicht schlimm. Und schau mich mal an, bin ich anders als alle anderen Männer die du kennst?“ Er zog sich das T – Shirt nach oben, damit Sean sich seinen Oberkörper anschauen konnte.
Sean sah ihn von oben bis unten an. Anders als andere Männer sah er wirklich nicht aus, alles war da wo es hingehört, gut, etwas durchtrainierter war er und er hatte mehr Muskeln, aber sonst war da nichts anders. Wieder befiel ihn das Kribbeln, das sich von seiner kleinen Zehe bis in die letzte Haarspitze ausbreitete und seinen kleinen Freund in der Hose machen ließ was er wollte.
„Nun, du schaust mich so an. Also raus mit der Sprache!“, kam es von Antony. Seine Augen blitzten Sean an, wohl wissend, was dieser jetzt dachte. Die Beule in der Hose sprach Bände.
„Du siehst nicht anders aus als die anderen Männer, die ich nackt gesehen habe. Aber du hast eine andere Ausstrahlung auf mich. So …“, Sean überlegte wie er es ausdrücken sollte. „So animalisch, sexy in meinen Augen.“
„Weiter bitte, sag was du denkst“, forderte Antony mit einem Unterton in der Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Bald hatte er Sean so weit.
Sean schluckte, dann meinte er wieder errötend: „Wie soll ich es sagen? Du ziehst mich an. Ich finde dich sexy und …!“ Dann bracht er seine Rede ab und versuchte vergebens Antonys Blicken auszuweichen.
„Und was? Sag es doch einfach! Ich reiße dir deswegen kein Bein ab.“
„Ich bin geil auf dich!“, platzte Sean plötzlich ohne nachzudenken heraus. Kaum hatte er den letzten Satz ausgesprochen, schlug er sich auch schon mit der flachen Hand auf den Mund als würde er damit die letzten Worte zurück schieben können. „Oh mein Gott, was habe ich nur gesagt“, fing Sean an zu lamentieren und senkte den Kopf. Er schämte sich über die Worte, die ihm eben entwichen waren.
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