Unerfüllte Liebe
© by sunny768
Es ist Frühjahr 2009. Egon und Peti lernten sich in einem Internetforum kennen. Wie so vielen vor ihnen ging es ihnen selbst auch so. Sie waren einsam und suchten jeder für sich ein genau so einsames Herz. Egon wohnte in Hannover und Peti im vielen Kilometer entfernten Gera.
Anfangs waren sie noch etwas schüchtern wenn sie sich Mails schrieben. Aber nach und nach gab sich das. Auch Bilder tauschten sie aus. Peti gefiel Egon sehr, auch Egon fand Gefallen an ihr. Er nannte sie zärtlich sein Kätzchen und Peti nannte ihn Katerchen. Noch etwas später telefonierten sie dann öfter miteinander.
Egon schüttete Peti sein Herz aus, wie schlimm es für ihn wäre, immer so alleine zu sein und er gerne eine Frau an seiner Seite hätte, der es genau so ginge wie ihm. Ihm fehlte die Wärme, die Zuneigung, das Kuscheln. Natürlich auch der Sex, was er am Anfang aber nicht gleich zu gab. Ein Mann in den besten Jahren wie er brauchte eine Frau für gewisse Bedürfnisse. Es immer nur allein mit sich selbst zu tun, war auf die Dauer auch keine Lösung und auch recht frustrierend. Auf keinen Fall wollte er Peti verschrecken, indem er sie als nur ein Objekt seiner Begierde ansah. Eigentlich war sie es auch, aber nicht nur auf sexueller Ebene, sondern als Frau seines Herzens, mit der er eine lange Zeit seines Lebens verbringen wollte. Natürlich kannte er sie noch nicht richtig, denn wie konnte man einen Menschen, den man im Internet kennen gelernt hatte, richtig einschätzen wenn man denjenigen noch nie persönlich gegenübergestanden hat.
Peti sah auch in Egon immer mehr ihr Gegenstück, den so genannten Deckel auf ihrem Topf. Denn zu jedem Topf gibt es ja bekanntlich einen Deckel, die irgendwann zusammen treffen. Eines Tages getraute sie sich zu fragen, wie es mit einem realen Kennenlernen wäre.
Egon überlegte nicht lange und sagte zu. Denn auch er wollte sie gerne mal in Natura sehen.
So machten sie aus, sich bald zu treffen. Nur wann, das war die Frage. Beide waren durch ihren Job eingespannt und die Entfernung zwischen ihnen nicht in einer Stunde bewältigt. Also schmiedeten sie Pläne, wie sie das bewerkstelligen könnten.
Egon bot Peti an, für sie in Hannover ein Zimmer im Etap – Hotel zu buchen, von wo aus sie dann gemeinsame Unternehmungen starten könnten.
***
Nach einigen Wochen, es war inzwischen schon August, war es dann endlich soweit. Peti setzte sich in den Zug und fuhr nach Hannover. Die Fahrt dahin war sie aufgeregt, ob Egon in Natura auch so charmant und anziehend wäre.
***
Egon stand schon vor Einfahrt des Zuges aus Leipzig am Bahnsteig, den die Informationstafel angezeigt hatte. Ungeduldig trat er von einem Bein auf das andere, lief aufgeregt hin und her. Sein Magen machte Purzelbäume, dass ihm schon ganz übel wurde. Genau wie Peti machte er sich Gedanken, wie das Treffen wohl ausgehen wird. Aber das würde er ja bald erfahren. Er sah auf seine Armbanduhr, die zeigte, dass der Zug in drei Minuten ankommen würde. Am liebsten wäre es ihm, noch eine Zigarette zur Beruhigung anzuzünden, aber das Rauchen war auf dem Bahnsteig verboten. Die Zeit, um noch einmal nach draußen zu gehen war auch zu knapp, denn er wollte unbedingt am Bahnsteig sein wenn der Zug eintreffen würde.
Dann endlich ertönte aus dem Lautsprecher: „Der ICE aus Leipzig fährt auf Gleis acht ein. Bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante!“
Mit quietschenden Bremsen kam der Zug zum Stehen. Egon lief aufgeregt hin und her und hielt Ausschau nach einem bekannten Gesicht. Aber Peti war nirgends zu sehen.
***
Als der Zug im Bahnhof einfuhr, erhob sich Peti von ihrem Platz und nahm ihr Handgepäck aus dem Gepäcknetz über ihrem Sitz. Sie hatte nicht viel mit, nur ein paar Sachen zum Wechseln und die üblichen Toilettenartikel, denn sie wollte ja nur bis zum Abend des nächsten Tages bleiben. Nachdem sie ihren kleinen Koffer endlich unten hatte, ging sie zur Tür. Durch das Fenster dort sah sie schon einen Mann auf dem Bahnsteig hin und her laufen. Es sah so aus als würde er nach jemandem suchen. Ihr Herz schlug noch schneller in ihrer Brust als sie in der Person ihre Internetbekanntschaft Egon erkannte.
Als der ICE endlich zum Stillstand kam und die Türen automatisch öffneten, stieg Peti aus. Jetzt wo sie endlich in Hannover angekommen war, verließ sie ihr Mut. Am liebsten wäre sie umgedreht und wieder in die Bahn gestiegen. Ohne sich umzudrehen, ging sie einfach ein Stück in Richtung Bahnhofshalle. Dort stellte sie sich neben eine Informationstafel und wartete. Würde Egon sie erkennen? Was sollte sie machen, wenn nicht? Aber da kam er auch schon in ihre Richtung gelaufen, sah sich aber immer noch suchend um. Er hatte wohl übersehen, wie sie ausgestiegen war.
***
Nachdem Egon am Bahnsteig keine Frau entdeckt hatte, die ihm bekannt vorkam, ging auch er in Richtung Bahnhofshalle. Dann sah er neben einer Informationstafel eine zierliche Person stehen, die sich suchend umschaute. Als er noch näher kam, erkannte er Peti, die da stand und wartete. Langsam ging er auf sie zu. „Sie sehen so aus als würden sie auf jemanden warten“, sagte er charmant zu ihr.
Peti sah ihn an. Endlich erkannte sie Egon. „Es sieht wohl so aus als würde ich auf jemanden warten?“, fragte sie ihn.
„So wie sie sich immer umsehen, ja“, meinte er darauf. „Suchen sie vielleicht mich?“
„Das könnte möglich sein“, ging Peti auf sein Spiel ein. „Wieso wollen sie das überhaupt wissen?“
„Ich warte hier auf eine Dame, die heute um zehn Uhr mit dem ICE aus Leipzig ankommen wollte. Aber sie hat mich wohl versetzt. Schade, dabei hatte ich mich so darauf gefreut, zwei Tage mit ihr zu verbringen. Ich habe extra Urlaub genommen, um für sie da zu sein. Und nun?“ Egon verzog weinerlich das Gesicht.
Peti griente. „So so, das ist ja gar nicht schön, versetzt zu werden“, meinte sie.
„Nein, das ist wirklich nicht schön. Und nun überlege ich, was ich tun soll.“ Egon schaute sie an und schien zu überlegen, wie er das Spiel weiterführen könnte. Dann kam ihm eine Idee: „Wie wäre es, wenn sie mich begleiten würden. Ich denke, wir zwei könnten auch Spaß zusammen haben.“
„An welchen Spaß hätten sie denn gedacht?“, wollte sie wissen.
„Ich habe ein Zimmer im Etap – Hotel gebucht, das nun ja unnütz wäre, es nicht zu benutzen. Was meinen sie dazu?“
„Ein Zimmer im Etap – Hotel? Das wäre gut, ich habe nämlich noch keine Unterkunft für diese Nacht gefunden.“ Peti grinste innerlich über diesen ,Aufstand’, den Egon machte. Aber sie fand es lustig.
„Na dann“, Egon reichte ihr seinen Arm und nahm ihren kleinen Koffer. „Gehen wir zum Taxistand.“
Gemeinsam verließen sie den Bahnhof. Vor dem Haupttor sah sich Peti um. Sie war das erste Mal in Hannover. Als erstes fiel ihr die große Reiterfigur auf, die vor dem Eingang stand.
„Das ist Ernst August der Erste“, gab Egon ihr auf ihre Frage, wen die Figur darstelle, Antwort. „Eine imposante Figur!“
„Genau so imposant wie du, nur du bist charmanter und nicht so steif“, flirtete Peti ihn an.
,Ha, sie flirtet’, dachte sich Egon. ,Schön, so eine kleine Maus, echt zum verlieben.’ Während ihm die Gedanken durch den Kopf gingen, schaute er Peti verliebt an.
„Du siehst so aus als würdest du was sagen wollen“, Peti stupste ihn in die Seite und flirtete was das Zeug hielt.
„Ja, das wollte ich auch“, gab Egon zu. „Du bist echt zum Verlieben.“
Peti errötete. „Du Charmeur! Du bist genau wie im Chat.“ Nachdem sie ihm tief in die Augen geschaut hatte, sagte sie: „Wollten wir nicht ins Hotel?“
„Ja, natürlich“, antwortete er. „Taxi!“
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